Hermann Heller

Sozialdemokrat und Kriegsfreiwilliger, Nationalist sowie Jungsozialist, demokratischer Staatsrechtslehrer und juristischer Widerpart Carl Schmitts – Hermann Heller verkörpert wie vielleicht kein zweiter Intellektueller seiner Generation die heute schmerzlich vermisste Fähigkeit zur Synthese verschiedener politischer Positionen.

Heller, der 1919 als 28-jähriger Habilitand zu den Sozialdemokraten stieß, wurde vor allem durch Lassalle, Fichte und Hegel geprägt. Er gehörte dem Hofgeismarer Kreis an und lehrte an den Universitäten Kiel, Leipzig, Berlin und Frankfurt am Main. In dem knapp bemessenen Zeitraum der Weimarer Republik entwickelte Heller ein staatsrechtliches und rechtsphilosophisches Werk, das wegen seiner Wiederanknüpfung an die Lassallesche Symbiose von Nation und Sozialismus und wegen seines brillanten Stils in der deutschen Staatslehre des 20. Jahrhunderts ohne Beispiel dasteht.

Mit Carl Schmitt, seinem berühmten Antipoden beim Preußenschlag-Prozess vor dem Reichsstaatsgerichtshof in Leipzig im Herbst 1932, verbindet Heller gerade in Bezug auf die Topoi Staat, Volk und Nation mehr, als sie trennt. Heller stirbt, ein Jahr später, im spanischen Exil.

Für Heller war klar: »Klasse muß Nation werden!« Mit seinem sozialdemokratisch geprägten Sozialismus erteilt Heller dem orthodoxen Marxismus eine ebensolche Absage wie dem bürgerlichen Kapitalismus und seinen mannigfaltigen Satrapen. Klasse, Sozialismus und Nation – Heller verkörpert den deutschen Sozialismus vor 1933.